Checkliste zur DSGVO: Was KMU wissen sollten

Am 25. Mai 2018 war es so weit: Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) fand ihre Anwendung. Von dieser sind alle Betriebe betroffen, die mit personenbezogenen Daten von EU-Bürgern arbeiten. Das bedeutet, auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) müssen sich den Anforderungen der DSGVO bewusst sein. Was Sie künftig beachten müssen, um Stolperfallen zu vermeiden, finden Sie in diesem Gastbeitrag mit Checkliste.

Einige Vorgaben der DSGVO waren bereits durch das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) bekannt, zum Beispiel das Führen eines Verfahrensverzeichnisses. Sie wurden allerdings mitunter verschärft, während andere wiederum gänzlich neu sind. Vor allem die aktuellen Nachweispflichten stellen KMU vor große Herausforderungen. Ein Verstoß hierbei kann zudem weitreichende Folgen für das Unternehmen besitzen: Bis zu 20 Millionen Euro Bußgeld oder vier Prozent des Jahresumsatzes werden unter Umständen erhoben.

Die neuen Rechenschaftspflichten

Die DSGVO fordert, dass grundsätzlich alle Unternehmen – auch KMU – dazu in der Lage sein müssen, einen Nachweis zur Einhaltung der Datenschutzvorgaben zu erbringen. Auf Nachfrage der Aufsichtsbehörde ist das Vorlegen einer ausführlichen Dokumentation über jede personenbezogene Informationsverarbeitung notwendig. Dazu gehören das Festhalten des Zeitpunkts und des Zwecks der Erhebung, der Dauer der Speicherung sowie der Kategorie der jeweiligen Daten. Das bedeutet zum Beispiel bei der Erhebung einer Kundenadresse, dass in dem Bericht nicht die Adresse selbst, sondern ausschließlich die Art der Information – hier: Kontaktdaten – zu nennen ist.

Checkliste zur Umsetzung der DSGVO

Die folgenden Aspekte sollten KMU so schnell wie möglich nachprüfen und gegebenenfalls anpassen, um die Datensicherheit der Verbraucher gemäß DSGVO zu gewährleisten.

  • Besitzen Sie im Zuge einer jeden Nutzerdatenerhebung eine Einwilligung? Bei der Newsletter-Anmeldung beispielsweise wird die Zustimmung in Form einer Double-Opt-in-Erklärung gefordert, um die freiwillige und aktive Handlung sicherzustellen. Das bedeutet für Sie: Checkbox für den Newsletter auf der Webseite einrichten, E-Mail mit einem Bestätigungslink versenden und erst danach die E-Mail-Adresse des Kunden in die Mailing-Liste aufnehmen.
  • Halten Sie die Informationspflichten ein? Beim Einholen der Nutzereinwilligung muss gleichzeitig eine umfassende Belehrung über die einzelnen Betroffenenrechte erfolgen. Dazu gehören das Auskunftsrecht, das Recht auf Löschung, das Recht auf Datenübertragbarkeit, das Recht auf Einschränkung der Datenverarbeitung, das Recht auf Berichtigung sowie das Widerspruchsrecht.
  • Findet eine Risikobewertung statt? Im Falle einer besonders umfangreichen Datenerhebung oder auch unter Verwendung besonderer Technologien wird in regelmäßigen Abständen eine Risikoanalyse notwendig. Werden dabei mindestens zwei Gefährdungen offenbar, muss eine Datenschutz-Folgenabschätzung erstellt werden.
  • Bestehen mit externen Dienstleistern Verträge zur Auftragsdatenverarbeitung? KMU sind auch als Auftraggeber dazu verpflichtet, die Einhaltung der DSGVO durch Dritte sicherzustellen und eine angemessene Rechtsgrundlage für die Verarbeitung der Daten zu schaffen.

Weitere Informationen zur DSGVO hat der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. auf seiner Ratgeberseite für Sie zusammengestellt.

Laura Gosemann, Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.

Die Pressemitteilung. Ein paar Grundregeln

Nachdem wir ja schon früher über den Aufbau einer Pressemitteilung geschrieben haben, kommen jetzt noch ein paar Tipps zu Vorüberlegungen dazu.

  • Es ist ein Marathon, kein Sprint. Regelmäßig Pressemitteilungen zu versenden ist viel besser, als nur eine einzige zu versenden.

Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Publikums und schreiben Sie ihre Pressemitteilung entsprechend

  • Versetzen Sie sich in die Lage des Redakteurs und ihrer Kunden: Was Sie begeistert, muss nicht unbedingt ihre Zielgruppe begeistern. Also fragen Sie sich: Was hat Ihr Publikum von den Informationen in Ihrer Pressemitteilung? Schreiben Sie sie entsprechend.
  • Machen Sie sich mit dem Stil von Pressemitteilungen in Ihrem Zielmarkt vertraut. Eine Pressemitteilung ist keine Werbung, daher sollte sie so informativ und neutral wie möglich gehalten werden. Eine US-amerikanische Pressemitteilung würde in Deutschland beispielsweise als „werblich“ gelten.
  • Nahezu alle Publikationen suchen nach etwas Neuem. Was also ist das Neue an Ihrem Produkt oder Ihrer Dienstleistung?
  • Fast alle Publikationen haben eine definierte Zielregion. Printpublikationen werden in einem bestimmten Gebiet vertrieben, Online-Publikationen grenzen sich über die Sprache ab. Bieten Sie Mehrwert durch regionalen Bezug. Schweizerische Publikationen möchten in Pressemitteilungen gern Preise in Franken sehen, nicht nur in Euro. Bieten Sie diese grundlegenden Information mit geographischem Bezug und zeigen Sie dadurch Ihre Wertschätzung.

Textliche SEO auch in Pressemitteilungen

  • Die Struktur einer Pressemitteilung, wie schon erwähnt: Die Überschrift sollte die zentrale Neuigkeit enthalten. Jeder folgende Paragraph enthält mehr Details in abnehmender Wichtigkeit. Denn Pressemitteilungen werden im Redaktionsprozess von unten nach oben gekürzt. Erscheinungsort und –tag nicht vergessen! Diese Angaben kommen vor den ersten Absatz. Am Ende folgen ein Zitat und die so genannte Boilerplate mit Basis-Informationen zur herausgebenden Organisation.
  • Die Grundlagen textlicher Suchmaschinen-Optimierung (SEO) sollten Sie auch bei Pressemitteilungen beachten.
  • Nicht hinterhertelefonieren! Kein Journalist beantwortet gern Fragen, warum eine bestimmte Pressemitteilung nicht veröffentlicht wurde. Dazu haben sie keine Lust und erst recht keine Zeit. Eine Ausnahme bilden Pressemitteilungen zu Presseterminen. Hier darf man fragen, ob jemand von der Redaktion teilnehmen wird. Allgemein gesprochen ist eine Pressetour, also ein Hausbesuch in der Redaktion, aber das bessere Mittel.
  • Skalpell, keine Schrotflinte! Senden Sie Ihre Pressemitteilung nur zu den Medien, für die sie relevant sein könnte. Versuchen Sie zudem, innerhalb des Mediums den Redakteur zu finden, der genau Ihr Thema bearbeitet. Um in der IT-Welt zu bleiben: Senden Sie keine Software News an einen Hardware-Redakteur, nur weil Sie es können und die E-Mail Sie nichts kostet.
  • Senden Sie Ihre Pressemitteilung wenn möglich an eine persönliche E-Mail-Adresse. Das Impressum des Mediums oder die Teamassistenz hilft Ihnen, den richtigen Adressaten für Ihre Pressemitteilung zu finden.
  • Setzen Sie einen Google Alert für Ihre Stichworte und/oder Ihr Unternehmen auf.
  • Ein Clipping-Service hilft Ihnen, Abdruck Ihrer Pressemitteilung in verschieden Medien zu finden.

Die Pressetour – besser als eine Pressekonferenz

In unserer lockeren Reihe über PR-Werkzeuge, die wir mit „Wie schreibe ich eine Pressemitteilung“ begonnen haben, stellen wir heute die Pressetour als bessere Alternative zur Pressekonferenz vor

Man kennt sie aus dem Fernsehen, vor allem aus der Politik, nach jedem Bundesliga-Spiel und anderen Sportereignissen: Die Pressekonferenz. Pressesprecher, Trainer, Funktionäre und Politiker stellen sich den Fragen der wartenden, angereisten Journalisten. Klingt super? Das wollen Sie für Ihr Unternehmen auch?

Pressekonferenz – gängig in der Politik und beim Sport

Ehrlich gesagt: Ich kann Sie verstehen. Dennoch gibt es einige zu bedenken, bevor ein Unternehmen zu einer Pressekonferenz einlädt. Erst danach sollten Sie sich entscheiden, ob die Pressekonferenz sich für Ihren Kommunikationszweck lohnt. Vielleicht ist die Pressetour die bessere Alternative für Sie und Ihr Unternehmen.

Machen Sie sich bewusst, wie Journalisten heute arbeiten, bevor Sie zu einer Pressekonferenz einladen. Die meisten stehen unter einem hohen Zeitdruck. Denn  Medien erscheinen nicht mehr nur täglich, sondern ständig – das gilt für Radio und Fernsehen, aber noch mehr für Online-Medien. Viele Online-Medien runden ihr Angebot zudem durch Nachrichten-Apps ab, sodass der Druck, zu produzieren, noch größer wird.

Für PR- und Marketing-Verantwortliche in Unternehmen und Agenturen heißt das, dass es Journalisten nicht mehr zu zumuten ist, zu einer Pressekonferenz zu kommen. Sie haben schlicht nicht die Zeit, einen halben Tag zu einer Pressekonferenz zu fahren. Anders sieht es selbstverständlich aus, wenn die Veranstaltung so attraktiv ist, dass der Journalist ohnehin am Ort des Geschehens ist: bei einem Bundesligaspiel, bei Olympia oder im Berliner Regierungsviertel.

Wenn Sie so eine Veranstaltung haben, zu der Journalisten und Blogger ohnehin kommen: schön für Sie. Wenn nicht müssen Sie und Ihre PR-Agentur etwas mehr Aufwand treiben.

Das kann eine Pressetour sein und wird in der Regel meine Empfehlung sein, wenn Ihr Unternehmen noch relativ unbekannt ist.

Eine Pressetour ist eine Reihe von Besuchen in ausgewählten Redaktionen. So eine Pressetour ist für den Pressesprecher wesentlich aufwändiger als es eine Pressekonferenz wäre. Dennoch bietet eine Pressetour gleich eine ganze Reihe von Vorteilen.

Eine Pressetour ist kalkulierbar. Sie, Krause Kommunikation oder eine andere PR-Agentur Ihres Vertrauens vereinbaren vorher verbindliche Termine mit den Redaktionen oder Bloggern. Damit wissen Sie, dass Sie diese Redaktionen auch tatsächlich erreichen werden. Die Unsicherheit fällt weg, die immer darin besteht, dass das Tagesgeschäft einen Journalisten in der Redaktion festhält und er trotz bester Absichten nicht zur Pressekonferenz erscheinen kann.

Die Pressetour – eine Reihe von exklusiven Pressegesprächen

Zum anderen ist die Pressetour exklusiver. Der Journalist weiß, dass Ihnen seine Publikation wichtig ist, denn sonst würden Sie nicht für ein exklusives Gespräch vorbeikommen.

Denn das ist die Pressetour. Eine Reihe von exklusiven Gesprächen in ausgewählten Redaktionen. Das ist ein eindeutiger Vorteil gegenüber der Pressekonferenz. Jeder Journalist erhält die Präsentation exklusiv und erhält genau so die Gelegenheit, intensiv Fragen zu stellen. Der Sprecher hat Zeit nur für ihn und seine Leserschaft.

Da Zeit eine wichtige Ressource ist, zeigt der Unternehmenssprecher, wie wichtig ihm die Zeit des Redakteurs ist. Denn er bürdet ihm keine tote Reisezeit zu einer Pressekonferenz auf und nimmt sich selber Zeit nur für ihn.

Diese Zeit ist auch kalkulierbar. Eine Pressekonferenz wird terminiert und alle Journalisten kommen oder bleiben weg. Ein Redaktionsbesuch hat einen festen Beginn in der Redaktion, zu einem Zeitpunkt, der in den redaktionellen Ablauf passt. Damit ist der Redaktionsbesuch nicht nur besser terminierbar als die Pressekonferenz. Ein solcher Redaktionsbesuch ist auch sicher, um den Journalisten tatsächlich zu erreichen, denn der Pressesprecher und sein Team kommen ja direkt in die Redaktion.

Die Zeit des Redakteurs wird respektiert

Schließlich ist auch die Chance auf Coverage größer, denn wenn sich der Redakteur schon Zeit genommen hat, wird er wahrscheinlich auch den zweiten Schritt gehen und auch schreiben. Zumal er, wenn er gute Fragen stellt, auch exklusiven Content hat. Denn bei einer Pressekonferenz hören alle die Antworten des Sprechers. Bei einem Redaktionsbesuch nur er.

Zusammengefasst: Redakteur und Pressesprecher verabreden sich zu einem exklusiven Gespräch, dass für den Redakteur zeitsparsam durchgeführt wird und exklusiven Inhalt bietet – bei viel weniger Aufwand als bei einer Pressekonferenz.

Überlegen Sie doch zusammen mit Ihrer Agentur beim nächten Anlass, ob die Presskonferenz wirklich das Mittel der Wahl ist. Vielleicht ist eine Pressetour für Ihren Zweck viel Ziel führender?

Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung ab 25. Mai 2018

Datenschutz ist für jeden Privatanwender, mehr noch aber für Unternehmen ein entscheidendes Thema. Die gesetzliche Grundlage für Datenschutz in der EU ist die europäische Datenschutz-Grundverordnung. Sie gilt für alle Unternehmen im europäischen Binnenmarkt. Abgesehen von der Verpflichtung, diese Verordnung zu beachten, kann Datenschutz ein Wettbewerbsvorteil sein. Denn Endkunden legen zunehmend Wert darauf, dass ihre Daten innerhalb der EU gespeichert und verarbeitet werden. Viele Nutzer sehen die Datenschutz-Regelungen der USA kritisch. Und damit auch amerikanische Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon, die die europäische Datenschutz-Grundverordnung nicht oder nur teilweise beachten. Somit könnte im Moment ein Wettbewerbsvorteil bei den europäische Unternehmen liegen.

Europäische Datenschutz-Grundverordnung: Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen?

Dies ist jedoch nicht banal, denn die Europäische Datenschutz-Grundverordnung ist ein komplexes Regelwerk. Die neue Fassung der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung tritt am 25. Mai 2018 in Kraft. Wie die meisten Gesetze und Verordnungen ist auch diese Neufassung der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses zwischen Gesetzgeber, Experten, Unternehmen, Verbrauchern und Lobbyisten.

Europäische Datenschutz-Grundverordnung
Europäische Datenschutz-Grundverordnung (Photo by Sai Kiran Anagani on Unsplash)

Alle Unternehmen – vom Großkonzern bis zum Kleinstunternehmer, der eine Website betreibt – sind aufgefordert, ihre geschäftlichen Aktivitäten an die Europäische Datenschutz-Grundverordnung anzupassen. Das gilt besonders für die Art, wie Daten gespeichert und verarbeitet werden. Denn der Gesetzgeber hat den Verbrauchern neue, umfangreiche Rechte eingeräumt.

„Recht auf Vergessen werden“

Das überraschendste Element der neuen Europäischen Datenschutz-Grundverordnung ist wahrscheinlich das „Recht auf Vergessen werden“. Das heißt: Verbraucher können fordern, dass ihre Daten von Servern vollständig zu löschen seien. Dies dürfte analog auch für Presseverteiler gelten, auch wenn Journalisten keine Endverbraucher sind. Aber wenn Unternehmen Pressemitteilungen versenden, werden Journalisten voraussichtlich noch öfter Ihre Daten aus den Verteilern löschen lassen.  Somit sind auch PR-Agenturen und andere Dienstleister und Berater aus den Bereichen Public Relations, Marketing und Social Media betroffen. Wir bei Krause Kommunikation aktualisieren Verteiler umgehend und wunschgemäß. Das hält unseres wissens auch jede andere PR-Agentur und Presseabteilung so. Denn PR-Agenturen sind Partner und Dienstleister von Journalisten und Medien, und Partner verärgert man nicht – weder im professionellen wie im privaten Kontext.

Entwicklungen in IT in der Regel schneller als die Europäische Datenschutz-Grundverordnung erlaubt

Ob die Europäische Datenschutz-Grundverordnung lange hält oder ob angesichts der neuen technischen Entwicklungen schon bald wieder eine Novelle erforderlich sein wird, ist eine spannende Frage. Sowohl für den Gesetzgeber, als auch für IT-Unternehmen, Händler und Dienstleister wie auch für Verbraucher. Erfahrungsgemäß ist IT immer schneller als der Gesetzgeber.

Doch zunächst wird die Novelle von 2018 wirksam.

Was es über die hier angerissenen Themen hinaus zu beachten gibt, habe ich für Rings-Kommunikation bereits hier ausführlicher beleuchtet.

Bevor Sie die Europäische Datenschutz-Grundverordnung in Ihrem Unternehmen umsetzen, indem Sie IT-Infrastruktur anpassen und Prozesse modifizieren, lassen Sie sich unbedingt Individuell beraten. Krause Kommunikation stellt diesen Text lediglich zur Informationszwecken zur Verfügung und kann keine Haftung für Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen.

Digital Leadership

Die Digital Media Women Hamburg haben am 25. Januar 2018 ein hochklassig besetztes Panel veranstaltet, auf dem Experten über Digital Leadership diskutierten.

Krause Kommunikation war dabei. Auf dem Panel saßen: Christiane Brandes-Visbeck (Ahoi Consulting) und Ines Gensinger (Microsoft Deutschland) als Autorinnen des Buches „Netzwerk schlägt Hierarchie“. Sie diskutierten mit Blogger und Berater Stefan Koß (Deutsches Institut der Aufsichtsräte)  und Sebastian Lindemann von Philips Deutschland. Moderiert wurde das Panel von Daniela Schulz von den Digital Media Women Hamburg.

Digital Media Women Hamburg: Panel zu digital Leadership am 25. Januar 2018. Ines Gensinger, Christiane Brandes-Visbeck, Stephan Koß, Daniela Schulz, Sebastian Lindemann (v.l.n.r.). Foto: Markus Krause
Digital Media Women Hamburg: Panel zu digital Leadership am 25. Januar 2018. Ines Gensinger, Christiane Brandes-Visbeck, Stephan Koß, Daniela Schulz, Sebastian Lindemann (v.l.n.r.). Foto: Markus Krause

Der Veranstaltungsort als Case Study

Thema des Abends der Digital Media Women Hamburg war digital Leadership, konkret: Wie Führungskräfte Wandel gestalten. Dazu stellte Sebastian Lindemann von Philips dar, wie der Umzug von Philips innerhalb Hamburgs gestaltet wurde – mit viel Partizipation der Belegschaft. Das Ergebnis ist nicht nur ein beeindruckendes Bürogebäude mit ausgefeiltem Lichtkonzept, sondern auch neue Arbeitsformen. Keiner hat mehr einen festen Arbeitsplatz, sondern sucht sich jedes Mal, wenn er überhaupt im Büro arbeitet, einen neuen. Alternativ kann man von zu Hause aus arbeiten oder in Gruppen in den verschiedensten Ruhe- oder Gruppenarbeitsräumen. Damit war der Veranstaltungsort – den alle am Ende des Abends besichtigten – eine Case Study des Abends.

Sebastian Lindemann stellte nicht nur den Veranstaltungsort vor, sondern auch die Public-Relations- wie auch die Public-Affaires-Maßnahmen, die Philips vor und während des Umzugs an den neuen Standort getroffen hatte. So erläuterte er, dass Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz mehrfach im neuen Philips-Büro zu Gast war. Anschließend habe Olaf Scholz darüber gescherzt, auch im Rathaus „Breakout Areas“, also Räume für spontane kreative Arbeit in Gruppen, einzurichten. Der Erste Bürgermeister meinte, so Lindemann, dass er dafür im Rathaus allenfalls verwunderte Blicke ernten würde.

Aber Break-out Areas im Hamburger Rathaus? Das wäre auch eine Form von Digital Leadership.

Digital Leadership – das Buch

Digital Leadership – das war das Hauptthema des Abends und Thema des Buches „Netzwerk schlägt Hierarchie. Neue Führung mit Digital Leadership“ von Christiane Brandes-Visbeck und Ines Gensinger.

Dass neue Führung möglich und nötig ist – darüber waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Panels einig. Vielfältiger hingegen waren die Antworten auf die Frage, wie man diese neue, digitale Führung als Manager umsetzt und was die neue Führungskultur genau mit Digitalisierung zu tun habe.

Ines Gensinger nannte drei Punkte, die sie für „digital Leadership“ als entscheidend erachtet: Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ein konstruktives Mindset zu etablieren und durch Vorbild zu führen. Christiane Brandes-Visbeck ergänzte, dass nicht nur Feedback wichtig sei, sondern auch Selbstreflexion: „Lebe ich [als Führungskraft] meine Werte und Prinzipien?“ Hier komme das Empathie-Paradoxon ins Spiel, denn Führungskräfte  müssten verlernen, was sie in zwanzig oder mehr Jahren Konzernkarriere erlernt haben. Stattdessen müssten sie neu lernten, zuzuhören und Vertrauen zu haben.

Auch Ines Gensinger führte Vertrauen als zentralen Wert für solche Führungskräfte an, die digital Leader sein wollen. Die Buchautorinnen waren sich darin einig, dass sich eine Unternehmenskultur hin zu mehr Vertrauen nur von oben nach unten ändern lasse.

Digital Leadership in praktischen Beispielen

Sebastian Lindemann führte praktische Beispiele von Philips an: Inzwischen sei es normal, wenn der Vorgesetzte mit in der Kantine oder am Nebentisch sitze. Das mag im Mittelständler oder gar Start-ups wenig spektakulär klingen. Das ist es aber doch. Denn Christiane Brandes-Visbeck führte Beispiele aus ihrer Bank-Karriere an: Vorstände hatten eigene Aufzüge, die höchstens noch von Bereichsleitern mitbenutzt werden durften.

Was lange gängig war, funktioniert so nicht mehr. Darin sind sich die Autorinnen einig. Ines Gensinger führte Punkte an, die sie entscheidend für „digital Leadership“ hält:

  1. Menschen – sie zu coachen, zu befähigen
  2. Vertrauen – ausgedrückt beispielsweise durch working@home und
  3. Technologie – als Werkzeug, mit dem Wissensarbeiter überall produktiv sein können.

Vertrauen ermöglicht Fehlerkultur

Der Verbund von Menschen – Führungskräfte und Mitarbeiter – muss Vertrauen zueinander haben. Nur dann entsteht eine Fehlerkultur. In dieser Fehlerkultur trauen sich Mitarbeiter, Fehler einzugestehen. Umgekehrt sind die Mitarbeiter dann aber auch tolerant gegenüber Fehlern von Führungskräften, die schließlich auch Menschen sind.

Vertrauen ist ein hohes Gut – darin waren sich auch alle übrigen Diskutanten einig. Stefan Kos betonte, dass einmal zerstörtes Vertrauen nur schwer wieder aufzubauen sei. Ines Gensinger hob hervor, dass Vertrauen auch die Produktivität steigere. Wenn ich als Führungskraft ein Ziel vorgebe, den Weg dorthin aber dem Mitarbeiter überlasse, sei der Weg meist besser als meine Idee. Das „Wie“ ist sekundär. Sie betonte auch mehrfach, dass sie als Führungskraft stärker darauf achten müsse, dass Mitarbeiter nicht zuviel arbeiteten. Das Vertrauen resultiere eher in zu zuviel als in zu wenig Arbeit. In diesem Zusammenhang zitierte sie auch Niklas Luhmann, der gesagt hatte, dass Vertrauen soziale Komplexität reduziere.

Daniela Schulz moderierte sehr gut: Sie ließ das Gespräch laufen und setzte nur dort Impulse, wo es nötig erschien. Das war am Anfang und sonst sehr selten am Abend nötig. Sie  richtete den Blick auf kooperative Führungsstile, die Chester Barnard bereits vor achtzig Jahren propagiert habe. Stefan Kos merkte hierzu an, dass digital Leadership idealerweise authentisch, aber trotzdem effizient sei – das gelte auch in der Art, in der Social Media genutzt werden. Als positives Beispiel hierfür hob er Dr. Goldschmidt hervor.

Technologie als Turbo von digital Leadership

IT im allgemeinen und Social Media im Speziellen ermöglicht also neue Führung – eben digital Leadership. Das ist auch die Antwort auf Frage, die aus dem Publikum kam. Technologie ermöglicht heute, Kunden direkt anzusprechen und Teams in der ganzen Welt zu verteilen. Bezogen auf die Mitarbeiter stellen sich Führungskräften die neue Aufgabe, das Team zusammenzuhalten.

Das Fazit des Abends ist, dass Technologie ein Werkzeug ist, das als Turbo wirkt. Sie beschleunigt Innovation, macht aber auch schlechte Führung viel deutlicher als es in analogen Zeiten möglich gewesen wäre. Da der Fortschritt aber nicht anhalten wird – künstliche Intelligenz ist in aller Munde – dürfen wir alle gespannt sein, was demnächst technisch möglich sein wird. Ein von Christiane Brandes-Visbeck skizziertes Szenario sieht so aus: Die Unterschiede in der Bezahlung werden künftig nicht mehr zwischen Wissens- und Produktionsarbeitern gemacht, sondern zwischen Menschentypen, die digital Leadership mehr oder weniger stark verkörpern.

Mark Twain behält recht: „Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Der Abend hat jedenfalls einmal mehr deutlich gemacht, in was für spannenden Zeiten wir leben. Vor allem, weil wir die Zukunft vielleicht noch erleben, so schnell wie die Entwicklungen derzeit sind. Aber digital Leadership, konsequent umgesetzt, lässt die Arbeitswerlt der Zukunft um einiges erfreulicher aussehen.

Mehr zu dieser Veranstaltung findet sich auch auf dem Blog der Digital Media Women.

Hass im Netz (2) – das Beispiel Gerald Hensel

Meinungsfreiheit und Hass im Netz: Ein Debattenbeitrag auf einem kleinen Fachblog für Online-Marketing bleibt monatelang wenig beachtet. Dann aber wird er aufgegriffen und geht’s los mit Hass für den Verfasser Gerald Hensel / PR-Stammtisch Hamburg im September 2017

Wie extrem Hass im Netz – mit dem ich mich schon einmal befasst habe – werden kann, schilderte Gerald Hensel beim Hamburger PR-Stammtisch im September 2017. Er ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein, der davon betroffen ist.

Der Auftakt: ein Blogpost quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Im Jahr 2016 war Hensel Digital-Stratege bei der Webeagentur Scholz+Friends und betrieb unter dem Titel „Dawai Dawai“ ein privates Blog zum Thema Online Marketing. „Dawai Dawai“ – russisch für „vorwärts, vorwärts“ soll laut Hensel das Tempo im Online-Marketing widerspiegeln.

In seinem Blog hatte Hensel im August 2016 – weitgehend unter Ausschluss auch der Fachöffentlichkeit – einen Text veröffentlicht. In diesem regte er an, dass Werbetreibende stärker reflektieren sollten, auf welchen Seiten sie ihre Online-Werbung platzieren, um nur Websites zu unterstützen, die zum Markenkern passen. Gerald Hensels Beispiel: Wenn eine Marke Diversiät als Wert pflegt, passt ein Banner auf einer rechtsextremen Seite nicht zur Marke. Das Problem, das Hensel sah und sieht, ist, dass viele Marken Google überlassen, auf welchen Seiten ihre Banner erscheinen.

Dieses war seine private Meinung, die er als Fachdiskussionsbeitrag gepostet hat. Es war keineswegs Praxis bei Scholz+Friends, Kunden von Online-Marketing auf bestimmten Seiten abzuraten. Der Post war gedacht als Denkanstoss für Markenverantwortliche, dass die geschaltete Online-Werbung zur Botschaft ihrer Marken passen müsse.

Die „Achse des Guten“

Im Dezember desselben Jahres griff Henryk M. Broders Seite „Die Achse des Guten“ den Beitrag auf. Innerhalb weniger Stunden schossen die Zugriffszahlen durch die Decke.

Was die Lage komplizierter machte, war, das Scholz+Friends gleichzeitig um einen Etat der Bundesregierung gegen Intoleranz gepitcht hat, wovon Gerald Hensel nach eigener Aussage nichts wusste.

Die „Achse des Guten“ versteht sich selbst nicht als „rechts“. Aber sich an dem Namen „Dawai Dawai“ von Hensels Blog störte sie sich dann aber doch sehr und Hensels Text verstanden sie als Boykottaufruf, auf den Henryk M. Broder den Text „Der Denunziant von Scholz+Friends“ veröffentlichte. Daraufhin kamen massenhaft Reaktionen der Leserschaft der „Achse des Guten“ auf Hensels Artikel. Geballter Hass aus dem Netz.

Diese Hassbotschaften umfassten laut Hensel 500 – 1000 Tweets, 50 Morddrohungen und Boykottaufrufe. Die sachlicheren Vorwürfe lauteten, Hensel nutze seine Position aus, um die „alternative Presse“ wirtschaftlich zu zerstören. Die weniger sachlichen behaupteten, er sei ohnehin verdächtig, weil sein Arbeitgeber für die Bundesregierung arbeite, er sei Stalinist und Reptiloid. Zudem wurde laut Hensel von den Freunden der „Achse des Guten“ mit Fake Accounts und gefälschten Fotos gearbeitet.

Dazu kamen Morddrohungen – wobei das Alltagsverständnis und polizeiliche Verständnis darüber, was eine Morddrohung ist, durchaus auseinanderfallen. „Wir kriegen dich“ ist beispielsweise keine Morddrohung im polizeilichen Sinne. Diese Aussage kam Hensel aber ausreichend bedrohlich vor. Da seine Adresse in einem Neo-Nazi-Forum gepostet worden war, hätten er und seine Familie jederzeit von Straftätern aufgesucht werden können. So suchte Hensel Polizeischutz. Sein damaliger Arbeitgeber Scholz+Friends war da schon mit dem Staatsschutz in Kontakt; Hensel erhielt aber noch keinen Schutz.

Abgesehen von der Tatsache, dass die reine Masse an E-Mails, Tweets und gefälschten Fotos psychisch belastend war, führte sie auch zum Zusammenbruch von Hensels elektronischen Kommunikation.

Durch den Hass im Netz von der digitalen Außenwelt abgeschnitten

Neben den Hass im Netz ist es ein Nebeneffekt, dass die tatsächlichen Botschaften in der Flut des Hasses aus dem Netz nicht mehr gelesen werden können. Dies ist ja durchaus von den Verfassern beabsichtigt. Sie fluten die Kommunikationskanäle des Betroffenen, sodass alle anderen Nachrichten vom Hassgeschrei aus dem Netz übertönt werden.

Daher ist es von außen auch kaum möglich, den Betroffenen Unterstützung anzubieten, denn die Botschaften dringen nicht mehr zu ihnen durch. Betroffene müssen sich daher selbst Hilfe suchen, die es aber noch kaum gibt. Weder in ausreichendem Maße bei der Polizei – so Hensels Erfahrung – noch bei der Zivilgesellschaft. Dass der Bedarf dafür da ist, daran kann es eigentlich keinen Zweifel geben.

Die Schlüsse, die Hensel aus diesem Hass aus dem Netz gezogen hat, ist, dass das Wissen um digitale Kommunikation in Polizei und Politik oftmals erschütternd gering ist. Denn ein Ergebnis seiner Erfahrung war, dass er als Referent zum Thema eingeladen wurde.

Neue Anlaufstelle für Opfer von Hass im Netz

Um eine Anlaufstellen für Opfer von Hass im Netz zu schaffen, hat Hensel mit anderen den Verein Fearless Democracy und die Intitiative Hate Aid gegründet.

Traurig, dass so ein Verein nötig ist, denn unterschiedliche Meinungen und Standpunkte sind nötig und Debatten – auch hitzig – sind das, was eine Zivilgesellschaft ausmacht. Allerdings sollte es um die Sache und fair zugehen. Dass fake Accounts und gefälschte Bilder zu keine Debatte um die Sache gehören, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Ebenso dass man auch politische Gegner respektiert, aber sie in ihren privaten und beruflichen Lebensbereich nicht schädigt.

Die ganzen Kampagne, die über zwei Wochen ihren Höhepunkt erlebte und die für Hensel durchaus spürbare Folgen in seinem Privat- und Berufsleben hinterließen, verebbte mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016.

Dies war nur ein Beispiel dafür, was einem passieren kann, wenn man im Netz seine Meinung publiziert. Die Frage, wie mit Hass um Netz umzugehen sei, wird uns sicher noch lange begleiten.

Saliya Kahawatte – der Keynote Speaker im Interview

Saliya Kahawatte als Keynote Speaker
Saliya Kahawatte als Keynote Speaker

Interview: Krause Kommunikation –  18.07.2017. Als Experte für Kommunikation, Marketing und Vertrieb unterstützt Markus Krause als Inhaber von Krause Kommunikation seit vielen Jahren Unternehmen dabei, ihre Zielgruppen klarer zu identifizieren und zu erreichen. Ich hatte die Gelegenheit, Saliya Kahawatte einige Fragen zu seiner Tätigkeit als Key Note Speaker zu stellen.

Was sind die Kernthemen Ihrer Vorträge?

Saliya Kahawatte: Haltung, Motivation, Innovation, Resilienz, Ausbildung, Service und Kundenorientierung, Buddhismus, Cultural Diversity, Inklusion.

Welches Publikum bzw. welche Branche erreichen Sie mit Ihrer Rede?

Saliya Kahawatte: Ich erreiche ein breites Spektrum an Menschen, da Unternehmen immer aus Menschen bestehen. Mein Publikum besteht aus Mitarbeitern von Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen: wie: Pharmaindustrie, Bankenwesen, Behörden, Institutionen, Supply Chain, Entertainment, Real Estate und Healthcare. Ich spreche zu Mitarbeitern aller Hierarchie-Ebenen, vom Azubi bis zum Top-Manager.

Saliya Kahawatte als Premium Speaker

Warum sind sie ein Premium Speaker?

Saliya Kahawatte: Seit 2006 spreche ich professionell zu Menschen. Ich versuche, sie mitzunehmen und zu begeistern. Mit meinem Team arbeite ich national und international. Zu Menschen sprechen zu dürfen, erfüllt mich mit viel Glück und Leidenschaft. Ich hoffe, meiner Berufung noch sehr lange folgen zu können.

Woher stammen Ihre Erkenntnisse?

Saliya Kahawatte: Meine Erkenntnisse stammen aus meinen Erfahrungen als Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ich habe beide Seiten der Arbeitswelt erlebt und kann auf ein breites Erfahrungsspektrum zurückgreifen. Innerhalb meiner langjährigen Tätigkeit als Berater und Coach für Führungskräfte konnte ich meine Erfahrungen deutlich erweitern und befinde mich auf dem aktuellen Stand der Zeit.

Was möchten Sie Ihren Zuhörern mit auf den Weg geben?

Saliya Kahawatte: Ich möchte meine Zuhörer darauf hinweisen, dass alles möglich ist, wenn man nur will! Und mir liegt es am Herzen, den Menschen klar zu machen, dass Erfolg stets ein Ausdauersport ist, bei dem Misserfolge nur als Zwischenergebnisse auf dem Weg nach ganz oben zu bewerten sind.

Saliya Kahawattes Ausblick

Wie sehen Sie die Zukunft?

Saliya Kahawatte: Alle Unternehmen müssen auf die Mega-Trends Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel und Verknappung von Ressourcen reagieren und zugleich wettbewerbsfähig bleiben. Das stellt Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen vor neue Aufgaben. Unternehmen, die es nicht schaffen, auf den Wandel effektiv zu reagieren, werden vom Markt verdrängt.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

„Das einzig Beständige auf der Welt ist der Wandel“ (Buddha).

Hass im Internet – Grenzen der Meinungsfreiheit?

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, und der britische Historiker Timothy Garton Ash diskutierten am 27. Oktober 2016 im Thalia Theater Hamburg über die Redefreiheit und ihre Grenzen – nicht nur im Internet

Anlass der Debatte war Garton Ashs Buch Redefreiheit, an dem er nach eigenen Angaben zehn Jahre lang gearbeitet hat und das jetzt auf Deutsch erschienen ist.

Die Debatte war keine, in der die Diskutanten grundsätzlich unterschiedliche Standpunkte innehätten. Vielmehr waren sich Garton Ash und Schulz darin einig, dass Meinungsfreiheit für liberale Demokratien entscheidend ist, da sich politischer und gesellschaftlicher Fortschritt aus Rede, Gegenrede und Kompromiss speist. Genauso einig waren sie sich aber auch darüber, dass Redefreiheit Grenzen hat und dass die liberalen Demokratien in der Krise sind. Diese Krise  manifestiert sich für Schulz und Garton Ash nicht zuletzt an der Redefreiheit. Denn diese Redefreiheit wird im Internet genutzt, Hassbotschaften gegen Gruppen und Individuen zu verbreiten, um sie zum Schweigen zu bringen.

Meinungsfreiheit: Wie soll freie Rede sein? Wie frei soll die Rede sein?

Was die Diskussion aber interessant machte, waren die unterschiedlichen Zugänge zum Thema: Garton Ash verfolgte den des Forschers und intimen Kenners der deutschen und europäischen Geschichte, Schulz den des Politikers, der täglich mit Redefreiheit und ihren Grenzen umgehen muss. Auch er gehört zu den Menschen, die täglich Kritik und Hassbotschaften im Internet erhält. Das hält er in gewissem Rahmen normal und für den Teil seines Berufs als Politiker. Für Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, sieht er das nicht. Für sie sollte das Internet ein sicherer Ort der Redefreiheit sein – zumal die meisten Menschen einfach friedlich leben wollen. Dazu gehört selbstverständlich, nicht gemobbt oder beleidigt zu werden unter einer vermeintlichen Redefreiheit. Hierbei findet die Redefreiheit offensichtlich ihre Grenzen.

Die Redefreiheit und was von ihr gedeckt ist, wird laut Garton Ash und Schulz von drei Elementen der Gesellschaft definiert. Dem Staat, der Zivilgesellschaft und dem, was Garton Ash „private Supermächte“ nennt. Das sind all die Unternehmen, die durch ihre Marktmacht und durch ihre Fähigkeit Daten zu erfassen, zu verarbeiten und Marktdurchdringung sich nicht ohne weiteres einer staatlichen Regulation unterwerfen lassen. Namentlich facebook und Google, aber auch Amazon und Apple.

Bedarf für globalen, transkulturellen Regeln

Diese Konstellation aus Staat, Zivilgesellschaft und „privaten Supermächten“ ist neu. Die Herausforderung, dass sich Gesellschaften bei neuen Gegebenheiten neue Regeln geben müssen, ist hingegen so alt wie die Menschheit. Während beispielsweise antike Gesellschaften nur sich Regel geben mussten und sich etwa die „10 Gebote“ gegeben haben, stehen wir laut Schulz und Garton Ash vor der Herausforderung, Regeln für die Redefreiheit zu definieren. Die Herausforderung dabei ist jedoch, dass die neuen Normen global sein müssen wie die Kommunikation im Netz selbst. Nur sind gesellschaftlichen Normen weltweit durchaus unterschiedlich.

Redefreiheit darf kein „Veto der Mörder“ bedeuten

Innerhalb der westlichen Gesellschaften, aber nicht nur in ihnen, ist zu verhindern, so Schulz und Garton Ash, dass es ein „Veto der Mörder“ gibt. Damit ist gemeint, dass Menschen die Redefreiheit nutzen, um Vertreter ihnen missliebiger Positionen zum Schweigen zu bringen. Dass sie Kommunikation und den Austausch von Ideen und Positionen unterbinden, indem sie mit Gewalt und Tod drohen. Die Antwort von Garton Ash und Schulz auf diese Herausforderung im Internet ist die Solidarität der Menschen. Hierfür haben sie das Stichwort der „robusten Zivilität“ eingeführt. Damit ist gemeint, dass wohlmeinende Menschen den Opfern beispringen und so die Redefreiheit gegen verteidigen. Idealerweise zeigen auch Medienunternehmen die Solidarität, doch ist diese durch die Konkurrenz untereinander eingeschränkt.

In Gesellschaften ohne Redefreiheit plädiert Garton Ash für Offenheit für andere Ideen – offen zu sein, öffne den Dialog. In einem zweiten Schritt sei es dann auch möglich, das westliche Verständnis von Redefreiheit zu vertreten.

Rede, Gegenrede und Kompromiss als konstitutiv für liberale Demokratie

Gerade weil Garton Ashu und Schulz die liberalen Demokratien und das europäische Projekt in einer tiefen Krise sehen, halten sie die Meinungsfreiheit für konstitutiv.

Garton Ash schloss den Abend mit einem Perikles-Zitat: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit; das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“ Dem ist nichts hinzuzufügen  und es ist als Aufforderung zu verstehen, die „robuste Zivilität“ zu leben: Dem Hass im Netz entgegenzutreten mit humanen, aber deutlichen Argumenten.

Konflikttraining: sprachliche Kommunikation ist entscheidend

Was ist die richtige Strategie, um einen Konflikt konstruktiv zu lösen? Konflikttraining bei Michel Eggebrecht

Konflikte sind unvermeidlicher Teil menschlichen Zusammenlebens. Daher lohnt es sich, sie genauer zu analysieren und Werkzeuge kennen zu lernen, mit ihnen umzugehen. Das genau ist das Ziel des Konflikttrainings von Michel Eggebrecht gewesen, an dem ich kürzlich teilgenommen habe.
Die Mischung aus Gruppenübungen und kurzem, knackigem Input war hilfreich, um die Natur von Konflikten besser zu verstehen. Auch in der Hinsicht, dass manche Konflikte nur Scheinkonflikte durch unterschiedliche Sichtweisen auf dasselbe Problem sein können: In einer Übung bekamen drei Gruppen die Aufgabe, bestimmte Papiere in gewisser Weise anzuordnen, woraufhin ein wildes Gerangel entstand. Der Clou: Alle Gruppen konnten die Aufgaben lösen, wenn sie kooperiert hätten; der begrenzte Blick auf das Problem ließ einen Konflikt erscheinen, wo keiner war.

Konflikttraining beginnt mit Konfliktanalyse nach innen

Doch bevor man den Konflikt nach außen analysiert, sollte man die eigenen Motive genau klären. Hier hilft die Metapher des „Inneren Teams“ nach Schulz-von Thun. Das innere Team sind die verschiedenen Motivationen, Handlungsmöglichkeiten und Wünsche, die aufkommen, wenn wir über eine Konfliktsituation und über die in dieser Situation möglichen Handlungs- und Kommunikationsoptionen nachdenken. Die verschiedenen eigenen Motivationen zu klären, hilft, die beste Strategie im Konflikt zu verfolgen.
Dabei braucht diese Strategie gar nicht so ausgefeilt zu sein. Oftmals reicht es, klar zu formulieren, was man möchte. Ein zweiter Schritt kann sein, zu erläutern, was man wahrnimmt und ein dritter, Konsequenzen bei fortgesetztem Fehlverhalten zu beschreiben und ein vierter, diese Konsequenzen dann auch umzusetzen.

Empathie ist der Schlüssel

Bevor es allerdings zu einem Konflikt kommt, ist es nötig, zwischen dem beobachteten Fehlverhalten und der eigenen Interpretation, die zum Konflikt führen kann, zu trennen. Wenn jemand beispielsweise permanent zu Verabredungen zu spät kommt, kann das so wirken, als respektiere jemand die eigene Zeit nicht. Das ist aber nur eine der möglichen Interpretationen, vielleicht hat der andere Mensch andere Werte oder er ist herzkrank und muss dringend Streß vermeiden. Es lohnt sich also, das vermeintliche Fehlverhalten ohne Vorwurf zu thematisieren, um den Konflikt ohne negative Emotionen zu lösen.
Grundsätzlich sind Empathie und Analyse der eigenen Emotionen und Motive wichtige Schritte, um Konflikte sachlich und konstruktiv zu lösen. Zu sagen, „ich freue mich auf den nächsten Konflikt“, wäre übertrieben, aber durch Michel Eggebrechts Konflikttraining sehe ich ihm gelassener entgegen.